Der Kampf mit den Mails – oder welcher Mailservice ist der Beste (für mich)?

Jahrelang habe ich auf Gmail gesetzt, aber die immer bedrohlichere Situation mit der „Datenkrake“ liess mich das überdenken.

Ich gebe zu der Gmail-Dienst ist verdammt gut (und auch noch kostenlos, zumindest in Euro gemessen…). Diese Erfahrung musste ich jetzt auf der Suche nach einem guten Ersatz verstärkt machen.

Zuerst meine Wünsche:

  1. ein solider Mailservice
  2. eine angenehme Webmail-Oberfläche
  3. Kalender (in meinem Fall mindestens 4 Stück)
  4. Kontakte
  5. eigene Domain verwendbar
  6. genug Speicherplatz
  7. keine allzu hohen Kosten

Mein Favorit wäre eigentlich iCloud, aber das scheitert leider nach wie vor an der eigenen Domain, denn hier kann man nicht einmal mit einer Weiterleitung arbeiten, da das Versenden von Mails mit einer anderen als den iCloud-Adressen nicht möglich ist.

Domainfactory hatte ich vor einiger Zeit genutzt, aber aus einem mir nicht mehr ersichtlichen Grund habe ich mich dann gegen eine weitere Nutzung entschieden. Aus heutiger Sicht fehlt bei MyMail der Kalender und die Kontakte, bzw. beim kleinen Exchange-Paket der Active-Sync und das Postfach ist zu klein. Der Preis für das größere Paket ist mir mit 8,99€ eindeutig zu hoch (da zahle ich für meinen VServer weniger).

Da ich ein großer Freund von selfhosting bin, liegt eine Nutzung meines VServers auch für dieses Projekt nahe. Meine Versuche waren folgende:

Owncloud mit Einbindung von Mail:
Durchaus möglich, aber ich hatte Probleme meine Kalender zu importieren. Irgendwie hat es mir auch vom Workflow nicht gefallen und die Einbindung des Webmails war nicht so schön.
Update (21.3.2015): Ich habe mir diese Möglichkeit noch einmal angesehen und muss sagen Owncloud 8 in Kombination mit Rainloop (als Mailclient) gefällt mir optisch sehr gut und auch der Workflow ist ganz nett. Leider ermöglicht Owncloud keine Integration von externen Kalendern (was bei einer selbstgehosteten Cloud kein Wunder ist). Aus Gründen benötige ich aber genau das… Ich habe allerdings gelesen, dass eine solche Integration in Arbeit wäre und möglicherweise werden wir das in Owncloud 9 schon sehen.
Diese Variante werde ich auf jeden Fall im Auge behalten!

Roundcube:
Lange mein Favorit. Standardmässig leider ohne Kalender und die Kontakte mit anderen Geräten synchronisieren nicht möglich. Hier kommt myRoundcube ins Spiel. Mit einem flexiblen Plugin-System kann man unter anderem einen Kalender und eine Datenbank inkl. CalDAV und CarDAV zur Synchronisation nachrüsten. Auch ein Abonnement von externen Kalendern (in meinem Fall iCloud) ist möglich. Leider habe ich die Datenbank (SabreDAV) nicht richtig zum Laufen gebracht und die Anbindung der externen Kalender war sehr langsam. Die Daten werden anscheinend jedes Mal abgerufen, wenn man den Kalender aufruft, was bei 4 Kalendern, zumindest auf meinem Server, einfach zu lange dauert…

Apropos Server hier kam zum Teil nicht nur mein VServer zum Einsatz, sondern aufgrund der Backup-Problematik (ich traue meinen eigenen Backups nicht und die Mails sind mir für einen Supergau zu wichtig…) hab ich Uberspace genutzt. Hier ist man sehr frei in der Gestaltung seiner Konfigurationen und hat trotzdem den Vorteil eines gemanagten Servers mit sicherem Backup zu kleinem Preis. Allerdings muss man mit Linux, dem Terminal und SSH umgehen können…

Zuletzt war Horde im Einsatz. Ich muss sagen das hat sich optisch echt gemacht gegen früher. Aber es ist mir in der Administration zu aufwendig und zu unsicher bei den Updates (ich habe gelesen, dass bei Updates durchaus Ausfälle vorkommen). Ausserdem hatte ich Angst dieses „Monster“ im Fall eines Serverausfalls mit Umzug auf einen neuen Server nicht zeitnah zum Laufen zu bringen und die Backups einzuspielen!

Also war ich dann doch wieder auf der Suche nach einem gehosteten Service. Ist doch auch besser… Da muss man sich nicht um Backups, Ausfälle und Spam (inkl. DKIM, SPF, Greylisting und sonstigen Dingen) kümmern.

Auf diesem Weg traf ich einen alten Bekannten: Zoho. Vor einigen Monaten schon einmal für kurze Zeit genutzt (damals aber als zu mächtig empfunden, weil das Ganze ja eher für Firmen gedacht ist), fand ich den Dienst jetzt doch interessant, weil alle Voraussetzungen gegeben und sogar für bis zu 10 Benutzer kostenlos. Leider funktionierte hier der Import meiner Kontakte nicht, aber das K.O-Kriterium war die Tatsache, dass eine Synchronisation meiner Kontakte und Kalender mit PC und Mac nicht möglich ist. Kein CalDAV und CardDAV nur ActiveSync für mobile Geräte und ein Outlook-Connector für Windows. Und ich HASSE Outlook!

Nun blieben da noch mail.de, thexyz.com und fastmail.com.

Mail.de: Sehr interessant, da deutscher Datenschutz, aber keine sinnvolle Einbindung einer eigenen Domain.

thexyz.com: günstiges Exchange-Hosting inklusive Active-Sync, aber leider kann man hier keine Aliase mit Weiterleitung auf externe Mail-Adressen einrichten. Dadurch unbrauchbar für mich…

Tja bleibt nur fastmail:

Ich muss sagen, das ist genau was ich gesucht habe … zumindest fast. Ich habe nichts auszusetzen. Ansehnliches Webmail, gute Funktionen, brauchbarer Preis, es können sogar iCloud-Kalender abonniert werden (musste also nicht mal meine Kalender umziehen!). Einziger Wermutstropfen: kein CarDAV. Es wird auf LDAP gesetzt und das ist (bei fastmail zumindest) auf mobilen Geräten readonly. Man kann also keine Veränderungen vornehmen, ausser über die iOS-App. Aber das finde ich nicht so schlimm. Kontakte ändern sich bei mir nur selten und ich benötige sie nicht so dringend im Webmail. Ich werde also ab und zu meine Kontakte neu ins Webmail importieren und sonst weiterhin die Kontakte von iCloud nutzen, um alle Geräte zu synchronisieren. So habe ich den gewohnten Komfort meiner Kontakte und auch im Webmail halbwegs aktuelle Daten.
Einen ersten Kontakt mit dem Service hatte ich auch, da sich ein paar Fragen zur Funktionalität des Family-Accounts ergaben. Dieser ist sehr positiv gewesen.

So kommt es dass ich mir jetzt wohl ein Jahr Fastmail gönne, mit oder ohne Family-Account (da habe ich mich noch nicht entschieden). Nach einem Jahr werde ich mich vermutlich wieder forschen, ob sich da ein neuer Stern am Mail-Himmel eingefunden hat. Der Drang nach „neuem“ ist einfach zu gross 😉

Update:

Ich habe noch zwei Kandidaten innerhalb meiner kostenlosen Testphase bei Fastmail getestet: Mailbox.org und posteo.de

Posteo sieht vor der Anmeldung ganz gut aus. Die fürchterliche grüne Farbe des Webmailers ist aber echt unerträglich. Außerdem gefällt mir der Gedanke nicht, dass ein Service komplett über Spam und Ham entscheidet. Es gibt hier nämlich keinen Spam-Ordner in den Mails einsortiert werden, die möglicherweise Spam sind. Posteo meldet stattdessen an den Absender, dass die Mail abgelehnt wurde. Dies mag bei persönlichen Kontakten funktionieren, aber eine automatisierte Mailingliste wird sich kaum bei mir auf anderem Wege als per Mail melden, weil eine Mail abgelehnt wurde (wie sollte sie auch? Sie hat ja meist keine anderen Daten als die Mail-Adresse).  Da ich sehr viele Mails bekomme, die nicht von persönlichen Kontakten kommen, die mir aber wichtig sind, ist mir diese Vorgehensweise suspekt. Vielleicht sind diese Bedenken ungerecht und die Spam-Erkennung von Posteo ist wirklich so gut, dass das nicht vorkommt. Da ich aber bei keinem Anbieter, den ich zuvor genutzt hätte, eine perfekte Spam-Erkennung erleben durfte kann ich mir das eben nicht vorstellen.

Mailbox.org ist wirklich ein sehr interessanter Kandidat. Die Oberfläche ist schön und übersichtlich, die Funktionen sehr vielversprechend (hier gibt es sogar Office-Funktionen).
Leider ist alles noch nicht so ganz ausgereift. So kommt es z.b. zum Teil vor, dass man Mails nicht in einen bestimmten Ordner verschieben kann, da der gewünschte Zielordner in der Auswahl nicht aufgeführt wird, obwohl er existiert. Beim Kalender gibt es keine verschiedenen Farben um die unterschiedlichen Kalender auseinander zu halten. Wenn man also viele Kalender hat, so kann man die Termine nicht auseinander halten. Außerdem werden in der Monatsansicht bei den Terminen keine Startzeiten angezeigt, so lassen sie sich nicht von den ganztägigen Terminen unterscheiden und man muss den Termin erst anklicken um eine Startzeit zu sehen. Sehr unübersichtlich. Und zum Absch(l)uss kann man keine externen Caldav-Kalender synchronisieren, sondern nur Google Kalender. Das macht eine Nutzung eines vorhandenen Firmen-Kalenders bei mir unmöglich. Leider kann ich hier nicht einfach auf Google Kalender umstellen lassen…

Noch ein Update:

Mittlerweile habe ich wirklich für ein Jahr Fastmail geklickt. Und was soll ich sagen ich bin sehr zufrieden. Bei meinem Streifzug auf deren Blog habe ich nämlich noch ein absolutes Highlight entdeckt: Seit Dezember gibt es CardDAV in der Beta-Phase. Ich habe mich gleich angemeldet und bin mit meinen Kontakt-Daten bereits umgezogen. Funktioniert alles wunderbar… Ich bin glücklich 🙂

Seit dem Umstieg auf Fastmail nutze ich sogar fast ausschließlich die Webmail-Oberfläche, das hat doch tatsächlich einen großen Vorteil: Es sieht alles auf jedem Computer gleich aus. Egal ob Win oder Mac und auch auf dem iPad im Querformat sieht es fast identisch aus. Nur auf dem iPhone bin ich nicht so zufrieden mit der Fastmail-App. Aber da gibt es ja genug brauchbare Alternativen…

(4) Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für Deinen Beitrag. Ich habe einen ähnlichen Weg hinter mir – eigener Server über Cyrus, Postfix inkl. DKIM, Encryption etc. Da hat man alles selbst in der Hand, aber spätestens beim Webfrontend (da braucht man dann doch hin und wieder), ist man den verfügbaren Optionen ausgeliefert. Und die passten nicht mit meinen Anforderungen. Ich habe ein gutes Jahre Office 365 genutzt (in der Enterprise Version), das ist OK, aber halt auch komplex. Viele Änderungen funktionieren nur über die Powershell, DKIM wird nur umständlich unterstützt etc. etc. Dann habe ich mailbox.org getestet (die nutzen OpenXchange) – da ist gut. Aber FastMail ist mEn noch besser. Super Handling mit Ordner, die machen ihrem Namen alle Ehre (extrem schnelle Suche, Webfrontend super performant), 1A Support.

    Jetzt inkl. CardDav und CalDav (mit Push!) großartig. Zuletzt wurde IMAP Push für Apple ausgerollt. Dazu muss man wissen, dass FastMail kein ActiveSync bietet, d.h. auf iOS nutzt man entweder die FastMail App (gefällt mir auch nur so mittel) oder eben IMAP mit dem integrierten Apple Mail. Dort war bisher nur ein Polling alle 15 Minuten möglich. Jetzt funktioniert IMAP Push. Allerdings ist das in Kooperation mit Apple entstanden, d.h. lt. einem Beitrag eines FastMail Mitarbeiters werden sowohl die Mailheader als auch ein Teil des Bodys über irgendwelche Apple Dienste/Server geschliffen. Muss man wissen, ob man damit ein Problem hat – ich muss Apple ja am Ende sowieso vertrauen, denn meine Mail landet ja auf einem Gerät von denen.

    Fazit: FastMail ist super, kann ich absolut weiterempfehlen, aber auch mailbox.org ist ein Test wert.

  2. Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich immer, wenn meine Beiträge gefallen.
    Ich bin immer noch begeistert von Fastmail. Sie arbeiten stetig an Verbesserungen und sind extrem kompetent.
    Zu der aktuellen Performance von Mailbox.org kann ich nichts sagen, da ich keinen Drang verspüre von Fastmail wegzugehen und wieder neue Tests zu fahren. Meine Probleme mit Mailbox.org vor gut einem Jahr habe ich bereits in meinem Beitrag geschildert. Aber sollte ich irgendwann unzufrieden mit Fastmail sein, so wird Mailbox.org sicher ein heißer Kandidat sein!

  3. Hi,
    ich bin seit gestern auch bei fastmail.com
    Nachdem Push mit mailbox.org nur sehr unzuverlaessig funktioniert und mit poste.de gar nicht.

    Einzig der Datenschutz macht mich etwas stutzig, der ist dort wohl nicht vorhanden oder?

  4. Fastmail hat schon vor Einführung der DSGVO den Datenschutz sehr groß geschrieben. Sie schrieben vor einiger Zeit, dass sie sich um die Anpassung an das europäische Gesetz kümmern und haben dann abschließend folgendes geschrieben: GDPR is here

    Ich denke das ist mehr als ausreichend für eine Firma die in Australien beheimatet ist 😉

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